VS Kansas City Chiefs

31:13

Da es leider letzte Woche mit einem Spieltags-Preview nicht mehr klappen wollte, lasst und das Review mal erst mit der Rückschau darauf beginnen, was es vor dem Spiel so dazu zu sagen gab:

Da wären einerseits natürlich allerlei Stories an “Drumrum”, was ich im Nachgang aber nun gar nicht mehr im Bezug auf das Spiel erwähnen möchte. Diese Thematiken überlassen wir am besten dann trotzdem ihren eigenen Beiträgen…

Bleiben wir also stattdessen beim “Auf dem Platz”, wo bekanntlich die Wahrheit liegt. Unser Saisonstart verlief bis zum Wochenende bestefalls durchwachsen – die so stark erhoffte Defense sogar auf ganzer Linie enttäuschend, da sich die DBs quasi um die Wette missverstehen, die Linebacker und Safeties in der Passverteidung ausnahmslos überfordert und so ziemlich alle “geblitzdingst” worden zu scheinen, was Tackling angeht. Selbst das vermutete Prunkstück, unsere D-Line, blieb bisher noch hinter den Erwartungen zurück. Hat man womöglich übertrieben große Hoffnungen in diese Einheit gesetzt? Vielleicht; doch angesichts des Talents und bekanntlich vier First Round Draftpicks sowie den Leistungen letzter Saison doch wohl auch berechtigt… Die Offense war im großen und ganzen nicht mal schlecht, Heinicke zeigte sich solide, wenn auch limitiert. Kicker Hopkins war wechselhaft.. angesichts der Verletzungen auf WR und in der OLine aber funktionierte die Offense, zwar auch ausbaufähig, aber annehmbar. Die Line auf dieser Seite spielt in unserem Team aktuell wahrscheinlich sogar den besten Football.

Man sollte also meinen, in einem Duell der beiden bis dahin schlechtesten Defenses der Liga sollte zumindest unsere Offense eine gute Partie darbieten können.. und vielleicht hätte man dann ja doch eine Chance, mit einem Heimsieg gegen KC davonzukommen? Die standen immerhin, wie wir auch, davor ebenso nur bei 2 Siegen zu 3 Niederlagen.

 

Das Spiel:

Wir begannen das Spiel mit einem schnellen 3 & out unserer Offense, wobei die Sequenz an sich nicht mal so schlecht gespielt war: Ein fallengelassener, gut 15 Yard-, Playaction-Pass, Lauf durch die Mitte für 4 Yards, gefolgt von einem leicht überworfenen “Deep Shot” Passversuch. Erster Auftritt unseres geliebten Punters Tress Way.

Im anschließenden Drive arbeiten sich die Chiefs gut methodisch über’s Feld, abgeschlossen von zwei tiefen Pässen ab Mitte des Feldes und schließlich einem kurzen Lauf durch die Mitte von der 2 Yard Linie zum Touchdown. 0:7 Führung für den Gast. Ihre Offense ist halt nach wie vor eine der Besseren.

Und unsere? Spielt sich im Anschluss auch vernünftig warm: ein paar Läufe und kurze, einfache Pässe bringen erstmal Rhythmus, mit dem man über den halben Platz marschieren kann. Ein an sich ordentlicher Passversuch in die Endzone auf Rookie Dyami Brown kann aber nicht ganz gefangen werden; Hopkins muss ran.. und trifft aus 50 Yards. Der 3:7 Anschluss auf der Anzeigetafel.

Es geht wieder ans verteidigen. Hardman ist da aber direkt mal unserem Corner Jackson einen kleinen Hauch zu schnell und die Chiefs machen schnell enormen Raumgewinn. Wenige Plays später klopfen sie schon an der Endzone – zu unserem Glück aber landet ein Pass auf Tyreek Hill dank Butterfingern stattdessen in den Händen unserer Defense. Zu unserem Unglück machen wir im Anschluss ganze 6 Yards Raumgewinn zu einem weiteren schnellen 3 & out und Way muss direkt wieder ran, Punt aus der eigenen Endzone. Kein schlechter Punt, selbiges gilt aber für Hardmans Return, den Way selbst stoppen darf zum neuen KC First Down von unserer 41.

Dann bekommen wir den Gegner sogar auch mal direkt nach 3 Versuchen gestoppt. Die Feldposition reicht aber, dass Butker im Kickerduell einen drauf setzen kann und aus 52 Yards die alte Führung wiederherstellt: 3:10.

Ein kurzer erfolgreicher Pass nach Playaction und Rollout nach rechts mit Unterstützung eines anschließenden Penalty gegen die Chiefs wegen Helm gegen Helm Tackling bringt schnell Schwung in unsere nächste Angriffsserie. Man holt sich mit zwei Pässen und einem 1-Yard-Lauf noch ein First Down, ehe ein versuchter langer TD Pass auf T-Mac etwas zu lang ausfällt und man schließlich doch wieder bei einem Kick aus 43 Yards stehen bleibt. Immerhin mitten durch, neuer Spielstand 6:10.

Als im Anschluss KC wieder angreifen darf verhilft ihnen ein improvisierter Lauf von Mahomes zwar schnell über beinahe das halbe Feld, mehr Impro war aber nicht zu holen und so erzwingen wir doch tatsächlich den Punt. Neuer Start unserer Offense nach Fair Catch von unserer 18 Yard-Linie. Ein starker Lauf von Gibson beim zweiten Versuch und zehn bringt dicken Raumgewinn.. und er wird direkt mit einem weiteren Run Play belohnt – ein Geschenk, was er aber großzügig an die Chiefs via Fumble weitergibt; so selbstlos und großzügig, was eine gute Seele….

Aber hey! Unsere Defense hält in der Folge nicht nur, sie schnappt sich den Ball gar zurück: Ein eigentlich schöner Spielzug über Hardman wird von Holcomb gestoppt, der den Ball frei und in die Hände von Safety Curl schlägt.. na da geht doch nicht etwa echt was..?!

Vier Minuten verbleiben jedenfalls vor der Halbzeit, um sich jetzt sogar mit dem eroberten sogenannten Momentum obendrein die Führung zu erspielen. TH4 zeigt sich auch von seiner guten Seite und wir kommen, trotz zweier Hürden in Form einer etwas zweifelhaften OPI Flagge gegen sowie eines ungewöhnlichen Drops von McLaurin, richtig gut über’s Feld. Grade so in Field Goal Distanz angekommen, täuscht Heinicke beim 2ten und 3 erst den Lauf kurz an, gefolgt von einer schnellen Passfinte und plötzlich findet er TE Seals-Jones mutterseelenallein halblinks tief, der ohne größere Probleme weiter zum Touchdown spazieren kann.. geil, die machen’s echt, 13:10 vorne!

Mahomes bleiben aber noch eine gute Minute… Zuerst filettiert der auch direkt unsere D vom feinsten durch die Luft bis in unsere Hälfte. Ein vermasselter Snap und frei anstürmender Chase Young zwingen ihn aber zu einem fürchterlichen Pass, weil er in höchster Not den Sack verhindern will, damit stattdessen aber nur unseren Safety McCain findet. #PAUSENFÜHRUNG

Die Chiefs starten zwar die zweite Halbzeit mit Ballbesitz, doch es sollte direkt vielversprechend für uns weitergehen: unter anderem ein Sack unserer #99 stoppt den Drive und ein verpatzter Punt bringt uns in hervorragende Feldposition. Ein paar gute Läufe und einen schönen End-Around Screen Pass auf TE Seals-Jones zunächst später, hält aber auch unser Drive letztlich an und Hopkins ist wieder gefragt: Fehlerfrei im ersten Abschnitt setzt er diesen aber aus 42-Yards links daneben…

Was dann passiert möchte ich lieber so kurz wie möglich fassen – nicht mehr und nicht weniger als ein totaler Einbruch des gesamten Washington Football Teams. Keine weiteren Punkte, nicht mal mehr ein vielversprechender Drive, Mahomes being Mahomes und “WFT präsentiert: Spaß mit Flaggen”, ein drei Touchdowns zu Null Schlachtfest nach der Pause zum 13:31 Endstand.

Woran hat’s jetzt gelegen? Naja das fragt man sich ja immer – aber ganz im Ernst: Ein solches Spiel hinterlässt einen immer irgendwie ratlos; das klassische “Spiel zweier Hälften”.

Was bleibt davon jetzt? Also wenn man das positive Körnchen mitnehmen will, kann man zumindest sagen, dass wenigstens in der ersten Hälfte gerade defensiv ordentliche Steigerungen da waren. Übersetzt in Coachsprache: Wir müssen nur vier komplette Viertel Football spielen.

Was aber auch bleibt? Der Rest dessen, was wir ehrlicherweise in einem Preview bereits in Aussicht hätten stellen müssen: Dass wir nur ein einziges Mal und das im lange zurück gelegenen 1983 gegen die Chiefs bisher gewinnen konnten (aus 1-9 mach 1-10), somit selbst der am Wochenende endlich geehrte Football-Engel in Burgundy & Gold, Sean Taylor, sich ihnen 2005 geschlagen geben musste. Ebenso musste sich die einstige QB-Hoffnung RGIII in seinem letzten Start unter Shanahan 2013 mit 45-10 vom Platz fegen lassen und in seiner letzten Saison vor seinem Wechsel zu uns sollte Alex Smith uns 2017 noch mal besiegen. Oder aber eben auch, dass selbst wenn beide Defenses vor dem Spiel die Flop zwei der Liga bildeten, unser Angriff derweil bis dahin zuhause sogar weniger punktet (22,7) als auswärts (24,6), während die Chiefs Offense in fremden Stadien sogar über einen Touchdown mehr erzielte (38,5) als im heimischen Arrowhead (30,8).

Ein Sieg wäre unter diesen Voraussetzungen vor dem Spiel also doch eher als klare Überraschung anzusehen gewesen. Als einzig optimistische Hoffnung hätte ich uns Chancen gegeben, wenn unsere Defense signifikante Verbesserungen in allen Aspekten zeigen könnte.. eine Halbzeit lang hätte ich damit Recht behalten – eine Halbzeit später sollte ich das mit der vorhergehenden Einschätzung aber leider genauso.

 

So haben die Chiefs letztendlich aktuell vieles was wir nicht haben: Nach wie vor die identitäre Verbindung zu den indigenen Nordamerikanern (und damit, noch, den wohl coolsten Fangesang der Liga); sowie viel wichtiger aber sportlich diesen einen besonderen Ausnahmespieler auf der wichtigsten Position dieses Sports, der dir im ein oder anderen Spiel auch zum Sieg verhilft, wenn es die Defense nicht kann. Tja, so’n Käse aber auch.. und damit steht dann auch schon das nächste schwere Spiel vor der Tür…